Ist meine Krankheit eine Strafe?

Das glaube ich nicht.
Sicher habe ich Dinge falsch gemacht, die ich gern ungeschehen machen würde. Aber ich fühle mich nicht für meine Fehler bestraft. Ich hatte meine Gründe, so zu handeln. Heute würde ich es anders machen. Heute bin ja auch etliche Jahre älter.
Ob reifer, muss mal dahin gestellt bleiben.
Es gibt eine Menge Dinge, die ich jetzt anders machen würde, es gibt auch jetzt noch Sachen, die ich falsch mache. Leider stellt sich das immer erst hinterher raus.
Glücklicherweise hab ich auch so Einiges richtig gemacht, auch wenn manche Leute nicht immer meiner Meinung waren. Es hat sich herausgestellt, dass das eigene Bauchgefühl doch meinst der beste Ratgeber ist.
Akzeptiere ich sie?
Welche Frage!
Ich betrachte meine Krankheit nicht als Strafe. Ich muss diese Krankheit akzeptieren. Sie ist nun mal da.
Ich hab sie nicht gerufen, ich will sie nicht haben, sie lässt sich nicht vertreiben.
Anfangs hab ich sie bekämpft. Ich musste feststellen, dass mich dieser Kampf viel Kraft kostete.
Kraft, die ich besser einsetzen kann.
Kraft, die ich besser in Dinge investiere, die ich bewältigen möchte und mit Hilfe dieser Kraft auch noch bewältigen kann.
Welche Art der Herausforderung ist sie für mich?
Die größte Herausforderung ist für mich, die alltäglichen Aufgaben selbständig zu erledigen.
Habe ich es geschafft, den Einkauf ohne fremde Hilfe zu meistern, macht mich das stolz.
Immer wieder werde ich von lieben Menschen gefragt: „Kann ich helfen?“
Meine erste Reaktion war immer: „Danke, ich schaff das schon!“
Ganz schön blöd, hab ich festgestellt.
Anstatt mir helfen zu lassen, musste ich meine ganze Energie aufwenden, mein Problem allein zu lösen.
Hinterher hab ich dann festgestellt, dass es für alle Beteiligten o.k. gewesen wäre, wenn ich mir hätte helfen lassen.
Mir wäre eine Menge Aufwand erspart geblieben und der liebe hilfsbereite Mensch hätte seine tägliche gute Tat erledigt.
(Die guten Taten anderer Menschen mag ich ein anderes Mal erzählen.)

Was fehlt mir am meisten?
Ich vermisse die Fähigkeit ohne mich festzuhalten eine Treppe rauf- oder runterzugehen.
Ich vermisse es dem Bus hinterherlaufen zu können, wenn ich wieder einmal zu spät dran bin.
Ich vermisse es über einen unebenen Boden zu gehen (z.B. eine Wiese oder einen Acker oder über Sand am Strand) ohne mich festzuhalten.

Was ist endgültig verloren?
Darüber möcht ich nicht nachdenken.

Was habe ich gewonnen?

Sicherlich gibt es positive Erkenntnisse, die ich gewonnen habe.
Darüber schreib ich gern einen weiteren Text.

2 Kommentare

  • faroukmartini

    Liebe Inge, das ist ein sehr schöner Beitrag, finde ich, Danke dafür! Ich finde die Idee mit Deinen Fragen am Ende auch toll. Die könnte sich jeder von uns stellen und beantworten. Das wäre ja mal was, ich denke schonmal darüber nach, wie ich sie beantworte… 🙂

  • GUNDIDI

    Ich hatte auch zwischendurch den Impuls, meine Sicht der Dinge aufzuschreiben. Danke dir Inge!.

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